2018 – der Hitzesommer! Wie steht es um unseren Wald?

Dieser Sommer war rekordverdächtig, das haben wir alle gemerkt. Unser Klima verändert sich langsam aber sicher. Wie beeinflusst die Hitze unsere Umwelt, vor allem unsere Wälder? Zuletzt haben wir einen Blick auf den hessischen Wald geworfen. Bäume sind ein verlässlicher Indikator für den Zustand unserer Natur.

Verstärkt haben wir uns mit Temperaturentwicklungen, der Niederschlagsmenge und den Schäden an heimischen Baumarten beschäftigt. Unsere Ergebnisse haben wir anschließend in Zusammenhang gestellt. Grundlage für unsere Recherche waren Waldzustandsberichte, die seit 1984 jährlich vom hessischen Umweltministerium veröffentlicht werden, sowie Wetterdaten vom Deutscher Wetterdienst.

Werfen wir zuerst einen Blick auf das Wetter im Sommer der letzten Jahre.

Wetter im Sommer von Sommer Wetter 1984-2018
Wetter im Sommer von Sommer Wetter 1984-2018 Quelle: ftp://ftp-cdc.dwd.de/pub/CDC/observations_germany/climate/monthly/kl/

Was sagen die Temperaturbarometer?

Die durchschnittlichen Temperaturen sind im Sommer fast immer höher als die Durchschnittstemperatur über das ganze Jahr. Es gibt immer wieder Ausschläge nach oben, die besonders warme Jahre kennzeichnen. Das beruht teils auf natürlichen Schwankungen und hat nicht immer etwas mit Klima zu tun. Insgesamt steigt die Temperatur trotz der Schwankungen an. Das bestätigt die Prognosen vieler Klimaforscher. Besonders der Sommer 2018 fällt auf. Seit 1984 wurde die wärmste Durchschnittstemperatur verzeichnet. Nur der Sommer von 2003 erreichte ähnlich heiße Temperaturen.

Hitze allein macht aber noch keinen Wald kaputt. Im Kombination mit Wassermangel kann es jedoch zu erheblichen Schädigungen kommen. Die Pflanzen in unseren Breitengraden sind nicht an große Trockenheit gewöhnt. In unserer Darstellung erkennen wir schnell: Auf trockene Jahr folgen oft wieder regenreichere Jahre, so dass die Wasservorräte der Böden wieder aufgefüllt werden und die Pflanzen auch in Trockenjahren gut überleben. Der Gleiche Trend wie bei den Temperaturen ist erkennbar. Tendenziell gibt es öfter weniger Niederschlag und weniger regenreiche Jahre wie in den Jahrzehnten zuvor. Trockenperioden werden länger, wie zum Beispiel in den Jahren 2015 und 2016 – zwei sehr trockene Jahre die direkt aufeinander folgten.  2018 fällt wieder aus der Reihe. Es war das mit Abstand trockenste Jahr seit 1984.

Wetter in Hessen von 1910-2018
Wetter in Hessen von 1910-2018 Quelle:ftp://ftp-cdc.dwd.de/pub/CDC/observations_germany/climate/monthly/kl/

Im Vergleich hierzu haben wir die mittleren Temperaturen und Niederschläge des ganzen Jahres aufbereitet. Hier begann die Datenerhebung deutlich vor 1984, im Jahre 1910. Wir erkennen wieder den den gleichen Trend: Es wird wärmer. Erschreckend ist, dass 2018 auch wieder besonders auffällt. Gemeinsam mit 2015 ist es das einzige Jahr seit 1910, dass mit der durchschnittlichen Jahrestemperatur die zehn Grad Marke knackt.

Wie geht es dem hessischen Wald?

Hessen ist das Bundesland mit dem zweithöchsten Teil bewaldeter Fläche in Deutschland. Doch wie steht es denn nun um die Vitalität unserer Wälder?

Mittlere Kronenverlichtung aller Bäume
Mittlere Kronenverlichtung aller Bäume Quelle: Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Anhand der Kronenverlichtung der Bäume können wir gut erkennen, wie es um die Gesundheit der jeweiligen Bäume steht. Kronenverlichtung beschreibt wie dicht die Kronen der Bäume belaubt sind. Es fällt leider wieder auf: Die Kronenverlichtung nimmt insgesamt zu, signifikante Veränderungen sind hier schon ab den Neunziger Jahren zu erkennen. Die letzten Jahre verzeichnen keine besonderen Veränderungen, die Zustände der Bäume schwanken aber stärker als in früheren Jahren.

Auffällig im Gegensatz zum Wetterschaubild: 2018 fällt nicht in besonders auf. Insgesamt ist es trotzdem ein Jahr mit stärkeren Schäden. Bei Bäumen die jünger als 60 Jahre sind sieht man, dass die Kronenverlichtung hier deutlich zugenommen hat. Das kann im Zusammenhang mit dem klimatischen Trend stehen, aber auch natürlichen Schwankungen unterliegen.

wald bild
Wald in Brombachtal, Foto: Hannah Keller

Die in Hessen am häufigsten vertretenen Baumsorten sind die Buche, die Eiche, die Kiefer und die Fichte. Die unterschiedlichen Sorten leiden unterschiedlich stark an Kronenverlichtung.

Mittlere Kronenverlichtung im Vergleich der Baumarten
Mittlere Kronenverlichtung im Vergleich der Baumarten Quelle: Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Der Trend bleibt im einzelnen betrachtet der gleiche. Die Kronenverlichtung nimmt bei allen Baumsorten zu, die Kiefer zeigt sich besonders unempfindlich. Für die Buche liegen stärkere Schwankungen vor, diese Baumsorte scheint deutlich empfindlicher zu sein.

Wenn eine Kronenverlichtung von über 60% vorliegt spricht man von starken Schäden. Die Daten hierfür wurden weniger umfassend recherchiert und dargestellt, weshalb unsere Visualisierung lückenhafter ist als die bisherigen und erst im Jahr 2004 oder später beginnt.

Starke Schäden an Bäumen
Starke Schäden an Bäumen Quelle: Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Nur bei den jungen Bäumen Auffälligkeiten zu vermerken. Während das Schadensniveau bei den älteren Bäumen und bei allen Bäumen in den letzten Jahren stabil ist, ist der Prozentsatz der stark geschädigten jungen Bäumen angestiegen. 2018 wird der höchste Wert seit 11 Jahren verbucht. Rückblickend fällt auf, dass sich der Zustand der jungen Bäume zuvor positiv entwickelt hatte. Den jungen Bäumen scheinen die warmen Temperaturen und der Wassermangel starke Probleme zu bereiten.

Schäden an Bäumen die über 60 Jahre alt sind haben insgesamt abgenommen. Das könnte daran liegen, dass ältere Bäume ein ausgeprägteres Wurzelwerk besitzen als jüngere Exemplare. Somit haben sie in der Trockenzeit die Möglichkeit Wasser aus einer größeren Bodenfläche aufzunehmen.

Was bedeutet das für die Zukunft?

Insgesamt ist der Wald noch nicht zu stark geschädigt. Noch. Erste Auswirkungen erlitten besonders die jüngeren Bäume. Dass das Jahr 2017 so regenreich war kann der Grund dafür sein, warum unsere hessischen Wälder den Hitzesommer 2018 vergleichsweise gut überstanden haben. Dennoch lässt sich klar ein Trend erkennen.

Sollten die Sommer jetzt öfter ausfallen wie 2018, werden die Wälder bald stark absterben. Wie Wissenschaftler uns schon lange predigen: Es ist fünf vor zwölf. Wir müssen unseren verschwenderischen Lebensstil herunterfahren wenn wir die Natur nicht weiter durch unseren CO2 Ausstoß zerstören wollen und den Klimawandel weiter befeuern!

Interaktive Statistiken:

Sommer Wetter 1984-2018

Wetter Hessen 1910-2018

Starke Schäden

Mittlere Kronenverlichtung